Drahdiwaberl-Gründer Stefan Weber tot – 08.06.2018

Anarchie und Aktionismus

Sein Name ist untrennbar mit Exzess und Rock ’n’ Roll verbunden: Als Kopf der 1969 geründeten Skandalband Drahdiwaberl, die sich theatrale Radikalität zu eigen machte, um das Publikum zu schocken, hat Stefan Weber österreichische Popgeschichte geschrieben. Nun ist der bereits seit Jahrzehnten von einer Parkinsonerkrankung Gezeichnete im Alter von 71 Jahren verstorben.

Geboren und aufgewachsen ist Weber in Wien, nach eigener Aussage „in einem kommunistischen Elternhaus“. Er selbst zeigte bereits in jungen Jahren gesellschaftspolitisches Interessen und beteiligte sich als Jugendlicher an der Besetzung der Kunstakademie. Zeitgleich begann die Leidenschaft für die Musik in Weber zu keimen. So gründete er 1966 die Gruppe Webbb’s Crew, bevor 1969 aus der Tradition der 68er-Bewegung die Band Drahdiwaberl entstand.

Und die sollte bleibenden Eindruck hinterlassen, denn selbst Spätgeborene, die Drahdiwaberl nicht mehr live erleben durften, können mit dem Namen etwas anfangen. Die Gruppe wurde bald nach der Gründung mit den dezidiert politischen Liedern und einer grellen, herrlich obszönen Liveshow bekannt – ganz gemäß der Idee, sich als wildeste Band Österreichs zu positionieren.

Mit Jazz Gitti und Falco

Parallel zu den Wiener Aktionisten gestalteten sich die Konzerte der Formation als Materialschlacht, bei der die Zuhörer mit Nahrungsmitteln beworfen wurden – und es wurde mitunter von der Bühne gepinkelt, weshalb die Auftritte nicht selten in Verhaftungen und Gerichtsverfahren mündeten. Zugleich begründeten Musiker wie Falco und Thomas Rabitsch bei Drahdiwaberl ihre Karrieren. Und auch Jazz Gitti war lange Mitglied – ebenso wie Tochter Monika, welche die Rolle als Akteurin von Webers Frau übernommen hatte.

Bis man von diesen Happenings und Songs aber erste Tonträger in Händen halten konnte, sollte es lange Zeit dauern. Erst 1981 veröffentlichte die wilde Truppe mit „Psychoterror“ die erste Platte, bevor Weber 1983 im Duett mit Lukas Resetarits mit der Single „Lonely“ (vom Album „Werwolfromantik“) gar die Spitze der heimischen Charts erklomm.

Der wilde Herr Lehrer

So markant die Auftritte und der folgende Aufschrei auch waren, so überschaubar blieb der kommerzielle Erfolg. Deshalb verdingte sich Weber ab 1970 auch als Lehrer für Zeichnen und Werken an einem Wiener Bundesrealgymnasium, bis er den Posten wegen seiner Parkinsonerkrankung frühzeitig aufgeben musste. Weber war unter den Schülern durchaus als strenger und ernst zu nehmender Lehrer bekannt.

Der letzte Auftritt von Drahdiwaberl fand 2009 im Wiener Gasometer statt. Als Monument bleibt in jedem Fall der Film „Weltrevolution“, an dem die Band über Jahre arbeitete. Die Dokumentation über die Genese der wilden Truppe feierte 2008 beim Filmfestival in Rotterdam Premiere und erschien 2011 auf DVD. Eine filmische Ehrerweisung hat auch Regisseur Amor Schläggen vorgelegt und zeigte sich mit seiner Dokumentation in bester Drahdiwaberl-Manier.

Offiziell geehrt

Dass Weber über die Jahre zum heimischen Kulturgut wurde, zeigen nicht zuletzt auch Auszeichnungen, die der Künstler erhielt. So wurde er 2005 mit einem Amadeus Austrian Music Award für sein Lebenswerk geehrt und erhielt auch das Silberne Verdienstzeichen des Landes Wien. Die anarchische Weltrevolution trug also doch Früchte.

(Quelle: ORF.AT)


 

Von 1964 bis 1970 studierte Weber an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Meisterklasse für Grafik. Nach der Lehramtsprüfung für Allgemeinbildende Höhere Schulen im Jahr 1970 begann er als Lehrer (Fächer: Werkerziehung und bildnerische Erziehung) am Wiener Bundesrealgymnasium IV (Waltergasse) zu unterrichten. Den Beruf des Lehrers übte er bis zu seiner krankheitsbedingten Frühpensionierung im Jahre 2000 aus. Den Besuch der Akademie schloss er 1975 mit Diplom ab. Von 1971 bis 1973 besuchte er zusätzlich die Grafikklassen der Professoren Franz Herberth und Wolfgang Baminger an der Universität für angewandte Kunst Wien.

Bereits ab 1966 gehörte er der als „wildeste Band von Wien“ firmierenden Truppe wabbs crew, später wabbs gun, an. Nach deren Auflösung gründete Weber im Mai 1969 die Band Drahdiwaberl, die rasch zu einer der bekanntesten Underground-Gruppen Österreichs wurde. Die Bandmitglieder, wie auch Weber selbst, kamen zu Beginn großteils aus der aufgelösten Vorgruppe. Mit dem Vorsatz gegründet, die „exzessivste“ Band des Landes zu schaffen und in einem Umfeld, das etwa auch den Wiener Aktionismus hervorbrachte, wurden das Brechen von Tabus und das Herausfordern spießiger Moral- und Wertvorstellungen zu prägenden Kernelementen der Texte und der Bühnenshows von Drahdiwaberl. Fester Bestandteil der Auftritte, einer Mischung aus Rock und Kabarett, wurden schon bald „Materialschlachten“ – Besucher wurden von der Bühne aus mit Lebensmitteln und Bier beworfen und revanchierten sich selbst in umgekehrter Richtung. Über dreißig Jahre, mit dem Höhepunkt der Popularität in den 1980er-Jahren, bleibt die Band um Weber mit wechselnder Besetzung ein fester Bestandteil der österreichischen Musik- und vor allem der „alternativen“ Szene. Die Auftritte mündeten nicht selten in Verhaftungen und Gerichtsverfahren. Die Plakate und Plattencover der Band wurden großteils von Weber selbst gestaltet und finden sich heute fast vollständig in der Plakatsammlung der Wienbibliothek im Rathaus.

Eine Renaissance erlebte die Gruppe im Rahmen der Proteste gegen die ÖVP-FPÖ-Regierungskoalition (Bundesregierung Schüssel I) zu Beginn des Jahres 2000, wo sie wiederholt während der Donnerstagsdemonstrationen auftrat („Torte statt Worte“).

2003 trat Weber am 27. Jänner im Rabenhof Theater in Wien in der Performance „Schurkenstaat Irak“ auf. Vor dem Konzert konfiszierte die Polizei zwei Faustfeuerwaffen, einen Colt und eine Ruger, die er als Requisiten mitgebracht hatte und er erhielt eine Anzeige wegen unbefugten Führens von genehmigungspflichtigen Schusswaffen. Zum Prozess am 11. September erschien er mit einem Hofer-Sackerl über dem Kopf, hielt ein Plädoyer zur Freiheit der Kunst und wurde freigesprochen. Kurz darauf entstand, da er ja nun eine „weiße Weste“ hatte, die Idee, er sollte als Kandidat zur Wahl des österreichischen Bundespräsidenten im Jahr 2004 antreten. Eine Online-Leserumfrage der Tageszeitung Der Standard ergab dort eine Zustimmung von 30 Prozent. Am 24. Dezember gestaltete er mit mehreren Drahdiwaberl-Mitgliedern im Rahmen des von Hubsi Kramar initiierten „Lebenden Adventkalenders“ im Museumsquartier eine lautstarke Weihnachts-Performance.

Am 27. April 2005 wurde Weber von Wiens Kulturstadtrat das silberne Verdienstzeichen des Landes Wien überreicht, zur Feier im Wiener Rathaus erschien er in einer von Bühnenauftritten bekannten modifizierten Polizei- bzw. „Super Sheriff“-Uniform. Seine Dankesworte „lösten sich in einem Spektakel der Drahdiwaberln auf“.

Zu Webers sechzigstem Geburtstag schrieb die Journalistin Doris Knecht 2006 über den „Schweinerock-Dodel der Nation“: „ein guter, ein wichtiger Mann, ein Mann, der Unvergleichliches geleistet hat für diese Republik, indem er praktisch alles, was ihr heilig ist, immer Länge mal Breite verarscht und respektlos durch den grusigsten Dreck gezogen hat. Und immer noch zieht. Das braucht eine anständige Republik: gute, respektlose Leute, die sich an ihr reiben“.

Zum 70. Geburtstag 2016 schrieb orf.at: „Seit seiner Parkinsonerkrankung (vor einigen Jahren) hat sich Stefan Weber aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.“ Regisseur Amor Schläggen legt zu seinem 70er den Dokumentationsfilm „Stefan Weber heißt das Schwein“ vor, der sich „dem Phänomen Stefan Weber auf liebevolle und bisweilen auch ein wenig brutale Art und Weise“ nähert, so Schläggen.

„DRAHDIWABERL“

Stefan Weber, damals noch Student an der Akademie der Bildenden Künste Wien, war Mitwirkender bei den linksgerichteten Studentenbewegungen der 68er Generation in Wien und wollte mit Drahdiwaberl ein bewusst linksgerichtetes Sprachrohr bilden. Einen wichtigen Einfluss auf die Band hatte der Wiener Aktionismus. Das Brechen von Tabus und provokante Auftritte entwickelten sich im Laufe der Jahre zum Hauptausdrucksmittel. So kam es bei Konzerten immer wieder zu einem Eklat, da im Zuge der Bühnenshow Geschlechtsverkehr betrieben wurde, die Musiker sich im Dreck und in Essensresten suhlten und namhafte Politiker bizarr provokant persiflierten. Stefan Weber sagte 2005 in einem Interview mit dem ORF:

„Es war schon immer mein Ziel, Drahdiwaberl zur extremsten und obszönsten Band zu machen – und ich glaube, das haben wir geschafft! “

Stefan Weber
Die linksorientierten Texte der Band bezogen sich quer durch die Schaffensjahre fast immer auf aktuelle politische Geschehnisse, immer mit einem Hauch Zynismus und schwarzem Humor. Themen, mit denen sich die Band immer wieder auseinandersetzt, sind unter anderem Rassismus in Österreich, die RAF (Baader-Meinhof-Gruppe), die FPÖ und George W. Bush.

Bemerkenswert ist der häufige Wechsel der Bandmitglieder, vor allem in den ersten zehn Jahren. Neben Stefan Weber, Thomas Rabitsch, Helmut Bibl, Fredl Petz, Silvia Gauder, Fritz Dürauer, Chris Bauer und Polio Brezina, den einzig fixen Bandmitgliedern über mehrere Jahre, spielten bereits über 40 verschiedene Musiker in der Band. Drahdiwaberl arbeitete auch mit anderen berühmten österreichischen Musikern zusammen, wie etwa Falco, Jazz Gitti, Dana Gillespie und Markus Spiegel.

Von 1982 bis 2007 arbeitete die Band an dem Film Weltrevolution (eine filmische Geschichte über Drahdiwaberl), welcher 2008 beim 37. Filmfestival in Rotterdam Premiere feierte.

Geschichte
In den frühen Jahren war Drahdiwaberl in erster Linie eine Coverband, die Musikstücke von Bands wie Led Zeppelin, Rolling Stones und The Beatles in deutscher Sprache interpretierte. Erst ab Mitte der 1970er Jahre wurden von der Band nur noch selbst geschriebene Lieder vorgetragen. In dieser Zeit wurden auch die ersten Demotapes veröffentlicht. Ihren ersten offiziellen Auftritt hatte die Band 1972 im Audimax der Universität Wien. 1978 trat Falco, damals noch als Hans Hölzel, der Band bei. Ein Jahr später wurde vom österreichischen Label Breaking Records der Punkmusiksampler Wiener Blutrausch veröffentlicht, zu welchem die Band drei Lieder beisteuerte.

1981 nahm Markus Spiegel die Band bei GIG Records unter Vertrag. Auf diesem Label veröffentlichte die Band in den 1980er Jahren insgesamt vier Alben, von denen sich drei in den Top Ten der heimischen Verkaufscharts platzierten. Trotz dieses Erfolges wurde die Band bis 1983 vom österreichischen Rundfunksender ORF boykottiert. Als die Band allerdings einen Auftritt in der berühmten Serie Kottan ermittelt hatte und kurze Zeit später mit Lukas Resetarits die Single Lonely veröffentlichte, die ihnen einen nationalen Hit einbrachte, wurde der Boykott gelöst.[4]

Die Tourneen führten die Band oftmals durch ganz Österreich über Deutschland und die Schweiz bis nach Kroatien. Ende 1983 stieg Falco aus der Band aus. Da der Erfolg der Band ab 1985 immer mehr nachließ, entschloss sich Weber, die Band 1989 aufzulösen. Das letzte Konzert im Wiener Messepalast wurde mitgeschnitten und als Live-VHS-Kassette veröffentlicht.

Zwei Jahre später bekam Stefan Weber vom New Yorker New Music Seminar die Einladung, vor rund 10.000 Zuschauern aufzutreten. Dafür holte er einige alte Bandkollegen zurück und formierte Drahdiwaberl neu. Der Auftritt wurde zum Skandal, da die Band mit ihrer regulären Bühnenshow auftrat – auch in der heimischen Presse wurde davon berichtet. 1994 wurde das fünfte Album veröffentlicht, auf dessen nachfolgenden kommerziellen Misserfolg der Bruch mit ihrem Label folgte. In den späteren 1990er Jahren war die Band auch als Produzent tätig, so wurde der Sampler Oh Jesus von Stefan Weber produziert und veröffentlicht. Das sechste Album wurde im Jahr 2000 fertiggestellt und den Fans zugänglich gemacht, es war die erste Veröffentlichung auf einem Independent-Label. 2003 musste Stefan Weber vor Gericht, weil er auf einem Konzert mit einem Colt mit Platzpatronen auftrat, er wurde jedoch freigesprochen. 2005 wurde Weber für sein bisheriges Lebenswerk mit einem Amadeus Austrian Music Award ausgezeichnet, hierbei kündigte er das erste Mal öffentlich die Planung eines Drahdiwaberl-Filmes an.[5]

Nach der Veröffentlichung von Sitzpinkler tourte die Band das erste Mal seit den 80er Jahren wieder durch Deutschland.

2008 wurde schließlich der Film Weltrevolution fertiggestellt und veröffentlicht. Seitdem ist es ruhig um die Band geworden. Aufgelöst hat Stefan Weber sie bis heute nicht. Das vorletzte Konzert fand am 5. Dezember 2009 im Wiener Gasometer statt. Während des Konzerts kündigten einige Mitglieder an, dass sie sich zurückziehen wollten. Das vorerst letzte Konzert fand am 11. Mai 2013, im Rahmen des Into the City Open Air, statt.

Musik
Musikalisch sind Drahdiwaberl schwer einzuordnen. Grund dafür ist unter anderem die stetig wechselnde Bandbesetzung. Schon in den ersten Jahren zeichneten sich ihre Stücke durch ein hohes Maß an Individualität aus, obwohl die Band fast ausschließlich Coverversionen berühmter Rock’n’Roll-Stücke vortrug. Durch die bizarre Vermischung aus Jazz und Blues waren viele Stücke kaum wiederzuerkennen. In den 1970er Jahren widmeten sie sich mit ihren politischen und aggressiven Texten dem Punkrock, maßgeblich in dieser Zeit waren verzerrte und absichtlich schlecht gestimmte E-Gitarren und der eher zurückhaltende Einsatz des Schlagzeugs. Ende der 1970er Jahre musizierte die Band auch mit einem Einschlag aus dem Psychedelic Rock, vor allem der Gebrauch von Effektgeräten und das Keyboardspiel von Thomas Rabitsch prägten die Musik. Auch Wolfgang Staribacher verlieh den Stücken mit seinem Saxophonspiel eine eigene Note. Mit Beitritt des Gitarristen Wolfgang Blümel und dem Sänger Chris Bauer bewegte sich die Band mit einigen ihrer Songstrukturen in Richtung Heavy Metal.

Dieser breiten Stilvielfalt blieb die Band in den ganzen 1980er Jahren weitgehend treu, manche Alben wurden durch Non-Music und Chanson-Stücke ergänzt, in denen Politiker und soziale Situationen persifliert wurden.

Das Album Sperminator aus dem Jahr 1995 stellt eine mit schwarzem Humor gezeichnete Parodie der Schlagermusik dar. Es kommt eine Ziehharmonika zum Einsatz und die Songstrukturen sind sehr einfach gehalten. Einige Stücke des Albums tanzen allerdings aus der Reihe (Killen Killen Killen, Censor Me) und sind eher avantgardistisch.

Die beiden späten Alben Torte statt Worte und Sitzpinkler sind geprägt von der Neuen Deutschen Härte. Diese Schaffensphase dominieren der massive Einsatz von elektronischen Klängen (Keyboard) und die stark verzerrten E-Gitarren sowie durchgehende Songstrukturen.

Auch waren sehr viele Sängerinnen und Sänger bei Drahdiwaberl – und so sind vom leisen Flüstern einiger Gastsänger bis hin zu Webers aggressivem Gutturalem Gesang viele verschiedene Gesangstechniken enthalten.

Live
Der breiten Öffentlichkeit wurde Drahdiwaberl vor allem durch ihre Liveauftritte bekannt. Weber betonte immer, etwas für das Publikum tun zu wollen, damit es unterhalten würde. So entschied sich die Band, ihre Auftritte mit einer grellen Show zu begleiten. Der erste Eklat wurde 1972 verursacht, als die Band während eines Konzertes im Audimax der Universität Wien ein gebratenes Schwein tranchierte. Da die Show Aufmerksamkeit erregte, entschloss man sich, diese noch zu erweitern und orientierte sich dabei am Wiener Aktionismus. So wurden etwa Dinge wie Elektrogeräte oftmals auf der Bühne zerstört, mit abgelaufenen Essensresten geworfen oder auch als rassistisch empfundene Printmedien wie die Kronen Zeitung zerrissen und darauf uriniert.

Da das Publikum darauf sehr positiv reagierte und bei Konzerten hin und wieder Leute während des Auftritts auf die Bühne kamen und mitmachen wollten, entschied sich die Band, auch mit Akteuren aufzutreten. So waren bei einigen Konzerten neben der Band mehr als 30 Akteure auf der Bühne, die Geschlechtsverkehr betrieben, Politiker durch Sketche persiflierten und sogar ins Publikum urinierten. Häufig endeten Shows wie der Auftritt 1981 in der Wiener Stadthalle (bei dem ein Lokalpolitiker von Teilen eines Suppenhuhns getroffen wurde), mit Hausverboten und Sanktionen seitens der Veranstalter. Das erste Konzert nach der Wiedervereinigung der Band im Palladium in New York sorgte für einen internationalen Skandal, da die Band einen Gangbang organisierte, bei dem die Beteiligten Masken namhafter Politiker trugen. Medien wie die New York Times, Bild und The Sun berichteten von diesem Konzert.

Stefan Weber verstarb am 07.06.2018 in Wien.


Quellen: ORF.AT / Wikipedia



Stefan Weber und Monika über ihre Vater-Tochter-Beziehung – 

Quelle: Familierockt.com

stefan weber

Stefan Weber hat mit Drahdiwaberl konventionelle Werte auf den Kopf gestellt. Er sei ein talentierter Zertrümmerer, sagt er über sich selbst. Wenn die Stimmung abflaut, müsse er schnell was zertrümmern, damit wieder was los ist. Das gelingt ihm bis heute, aber leider nicht immer gewollt. Auf Grund seiner Parkinsonerkrankung halten seine Arme und Beine vormittags keine Sekunde still. Erst wenn die Medikamente zu Mittag wirken, beruhigt sich sein Körper. Seine Tochter Monika, eine gefragte Tätowiererin, zieht ihn während des Interviews immer wieder zurück aufs Bett, wenn er langsam droht, von der Kante zu rutschen. Dabei lacht sie über seine Schmähs und er lacht über ihre. Man merkt: Diese beiden haben einen direkten Draht zueinander. Sie mögen und lieben sich.

Familie Rockt: Warst du bei der Geburt deiner Tochter dabei?

Stefan Weber: Das war damals noch nicht so üblich. Außerdem bin ich im Wartezimmer gesessen und der Arzt hat gesagt: „Das wird noch dauern“, und im Fernsehen haben sie einen tollen Western gespielt und da hab ich nach Haus müssen. Aber dann wurde ich angerufen, und ich bin ins Spital geeilt. Die Ilse (Anm. d. Red.:  s Frau) hat gesagt, dass sie froh war, dass ich nicht dabei war. Ich hätte wahrscheinlich herumgenerverlt und sie damit mehr belastet als unterstützt.

Monika: Ich kenne nur die Geschichte in der Version, dass der  sehr betrunken war (lacht). Wie das Väter damals gemacht haben: Wenn sie ein Kind bekommen haben, wurde gefeiert!

dradiwaberl

War der Papa ein fürsorglicher Papa?

Monika: Ja, schon. Er ist kein toller Koch. Am Samstag war sein Kochtag. Da gab es entweder Grammelknödel oder Fischstäbchen. Und er war immer lustig. Wir hatten quasi denselben Schulweg. Er hat ja in der Waltergasse unterrichtet, und ich ging ums Eck in die Volksschule. Wir sind also immer gemeinsam gegangen. Mich haben immer diese Horrorfilme interessiert, und die durfte ich in dem Alter natürlich noch nicht sehen. Aber am Schulweg hat er mir die ganzen Filme nacherzählt und zwar ganz naturgetreu! Deswegen bin ich in der Nacht dann oft bei meinen Eltern im Bett gelegen. Er war ein guter Erzähler (lacht). Und ich wollte die Geschichten trotzdem immer wieder hören.

Warst du ein schwieriger Vater oder hattest du eine schwierige Tochter?

Stefan Weber: Die Monika war gar nicht schwierig. Wenn ich ihr gesagt habe: „Jetzt betest du zehn Vaterunser“, ist sie schon in der Ecke gestanden und hat gebetet.

Monika: Sicher nicht (lacht)! Aber wir hatten nie ernsthafte Krisen. Ich war immer froh, dass ich so freie Eltern hatte. Als ich 14 Jahre alt war, durfte ich meine erste Party schmeißen, bei der die Eltern auswärts geschlafen haben, damit ich nicht gestört werde!

Stefan Weber: Ja, aber die haben nur DKT gespielt.

Stimmt das?

Monika: Nein, wir haben Bowle gemacht und allen war schlecht (lacht).

Hast du dir nie Sorgen um deine Tochter gemacht?

Stefan Weber: Hätte ich vielleicht sollen, hab ich aber nie. Da waren wir zum Beispiel mal in London, und da ist sie mit ein paar Irokesenpunks abgezogen, und ich hab mir nichts dabei gedacht. Sie ist dann nachher wiedergekommen und hat gesagt: „Das waren solche Trotteln.“

Monika: Ich muss auch sagen, ich hab nie eine Nachprüfung gehabt. Ich war immer gut in der Schule. Nachdem meine beiden Eltern LehrerInnen waren, sind wir im Sommer gemeinsam weggefahren. Da ich nie eine Gefährdung gehabt habe, waren unsere Reisen auch nicht gefährdet.

Stefan Weber: Ich hab mir eher Sorgen gemacht, dass sie zu brav wird.Wie bist du zum Tätowieren gekommen?

Monika: Ich war auf der Graphischen, aber das fand ich fad und dann hab ich über eine Freundin Tätowierwerkzeug in den USA bestellt und gleich im Freundeskreis losgelegt. Was vielleicht nicht das Gescheiteste war. Es sind in dieser Zeit nicht unbedingt Meisterwerke entstanden. Und mein Papa hat ein Che-Porträt von mir am Oberarm. Er war wohl mein zehntes Opfer. Wie war es, sich als Frau in dieser Domäne durchzusetzen?

Monika: Die Männer haben mich am Anfang gar nicht so wahrgenommen. Ich hab mich allein durchgewurschtelt. Sie haben mich auch nicht ernst genommen. Aber damit konnte ich leben. Während sie mich nicht wahrgenommen haben, hab ich mich weitergekämpft.

Stefan Weber: Jetzt kennt sie jeder. Letztens waren wir auf einer Messe in Graz, und dort hat man mich angesprochen – aber nicht auf mich, was mich sehr gewundert hat, sondern auf die Monika (lacht).

Hat dir die ATV-Doko über die Tätowierszene, in der du mitgewirkt hast, Spaß gemacht?

Monika: Nein. Die Kameraleute waren sehr nett, aber wie die Gespräche gelenkt wurden, war schon sehr mühsam. Was dabei rausgekommen ist, ist eh ok, aber zwischendurch war es sehr anstrengend. Immer am Wochenende drehen und immer eine Rolle spielen. Ich hab mich zusammengerissen, damit ich kein einziges Mal Oida sag (lacht).

stefan weber und Tochter

Wie habt ihr in der Familie Weihnachten gefeiert?

Stefan Weber: Mit dem Opa haben wir sämtliche christliche Lieder gesungen. Sehr komisch. Der war sein Leben lang Kommunist. Aber zu Weihnachten hat er zum Schmettern angefangen.

Wie ist das Leben mit Parkinson?

Stefan Weber: Ich war Grafiker und ich habe immer gerne geschrieben, und gerade das Schreiben ist jetzt schwer möglich. Meine Handschrift ist ein Gekriztel geworden. Das kann man sich kaum anschauen. Aber Parkinson ist bei jedem anders. Meine Frau hat auch Parkinson und sie sitzt im Rollstuhl. Ich bin wieder einer, ich kann rennen, und hab ein Bedürfnis nach Laufen. Dafür kann ich manchmal einfach nicht aufstehen. Wenn ich im Kino bin, kann ich nach dem Film den Sessel nicht verlassen, und dann reden die Leute schon mal komisch.

 

tochter

Und wie wirken die Medikamente?

Stefan Weber: Da gibt’s welche, die mental lockern und befreien, und dann ist man gut drauf.

Monika: Der hat Überbewegungen. So nennt man das. Und wenn man die medikamentös beruhigt, dann schlägt sich das psychisch nieder. Aber es soll ihm ja gut gehen. Er kann also sozusagen wählen, ob er ganz starr und unglücklich wird, oder ob er eben zuckt.

Stefan Weber: Ich habe es letztens geschafft, in einem Lokal drei Flaschen Wein umzuhauen. Beim ersten Tisch bin ich vorbeigegangen und hab wegen eines Zuckerers die erste Flasche mitgenommen. Dann wollte ich mich umdrehen und mich entschuldigen, und im Schwung sind dann die nächsten auch gleich mitgeflogen.

Monika: Das war teuer, !

Sagst du immer zu deinen Vater?

Monika: Nein. Das kommt drauf an. Wenn ich was von ihm will, sag ich Papilein.

Stefan Weber: (lacht) Du hast noch nie Papilein zu mir gesagt!

Wie war das für dich als du erfahren hast, dass dein Papa Parkinson hat?

Monika: Das war schon vor vielen Jahren, und am Anfang haben wir ihn noch verarscht: „Du gehst ja wie ein Duracell-Hase, bei dem die Batterie leer ist.“ Dann hat irgendwann ein Arzt gesagt, dass er Parkinson hat. Damals haben wir noch nicht realisiert, dass das immer schlimmer werden wird.

Stefan Weber: Schlimm ist ja die Sturzgefahr. Mittlerweile hab ich mir schon dreimal das Steißbein gebrochen. Bei jedem Schritt kann es passieren, dass ich irgendwo hängen bleib und hinflieg. Ein zwei Mal die Woche plattelts mich schon auf. Ich hab jetzt nämlich wirklich ein Talent zum Fallen. Bei meinem letzten Konzert vor zwei Jahren kam ich auf die Bühne und machte sofort einen Köpfler. Die Leute haben gejubelt. Die haben geglaubt, das gehört zur Show.

Macht das melancholisch?

Monika: Vor wenigen Wochen hat der Geburtstag gehabt und wir haben uns alte Videos von ihm angeschaut, wo er ganz ruhig auf der Bühne steht. Das macht schon nachdenklich, aber was soll man machen? Er ist eben jetzt ein wackeliges Kerlchen.

Stefan Weber: Das Älterwerden ist sowieso schon schwer und dann auch noch Parkinson.

Monika: Komm setz dich auf , du bist schon zu knapp am Bettrand!

Stefan Weber: Sigst, so wird man behandelt im Alter! Das kommt davon, weil ich in der Jugend zu wenig streng zu dir war (beide lachen).

Wenn ihr euch gegenseitig eine Liebeserklärung machen würdet, wie würde die dann klingen?

Monika: Ich liebe an ihm, dass er mir sehr viele Freiheiten gelassen hat und er mich unterstützt, auch bei meinen Burlesque-Shows. Nicht jeder Vater wäre stolz, wenn seine Tochter sich auf der Bühne ausziehen würde. Er ist immer stolz auf mich. Und ich liebe ihn für die tolle Kindheit, die er mir geschenkt hat.

Stefan Weber: Die Monika hat so ein sonniges Gemüt. Wenn ich depressiv in der Früh im Bett liege, kommt sie hereingeplatzt: „Hallo! Ich hab einen Kuchen mitgebracht!“ und baut mich damit auf. Und sie hat auch immer auf mich aufgepasst und mir oft das Leben gerettet. Wenn ich zum Beispiel ein Achterl trinke, dann bin ich total besoffen und dann schaut sie auf mich und setzt mich in ein Taxi. Und wenn ich verwundet war, dann hat sie mich schon oft gepflegt (Monika und lachen laut). Dafür liebe ich sie.

 

Quelle: Familierockt.com