Eine Freundschaft über den Tod hinaus: Niki Lauda und Falco

Ein FALCO.NET Essay anlässlich des heutigen 72. Geburtstages von Niki Lauda
(† 20. Mai 2019 in Zürich).

Andreas Nikolaus („Niki“) Lauda wurde am 22. Februar 1949 in Wien geboren und war dreimaliger Formel 1 Weltmeister, gründete seine eigene Airline (Lauda Air, in weiterer Folge: Flyniki „Niki“, Laudamotion) und war selbst, Zeit seines Lebens, Verkehrspilot. Durch viele Urlaubs-Charter-Flugstrecken (u.a. in Falcos Wahl-Heimat, die Dominikanische Republik) war der typische „Ferienösterreicher“ immer sehr erfreut, wenn „Niki-Himself“ den großen Jet in die begehrte Urlaubsdestination und zurück steuerte.

Seine Popularität im „Hause Österreich“, als auch International, war jedenfalls durch seine – bis heute – beeindruckende Karriere als Formel 1 Pilot begründet. Vor allem in seiner Heimat zählte Lauda im Laufe der Jahre, auf Grund seiner persönlichen unternehmerischen Vielfalt und Qualitäten zu den, von allen Bevölkerungsschichten, anerkanntesten Prominenten des Landes.

Da Promis „Promis“ sind, war klar, dass sich Niki Lauda und Hans Hölzel eigentlich zwangsläufig einmal bei den diversen „High-Society-Events“ des Lebens über den Weg laufen mussten, da hier ja bekanntlich jeder „jeden“ kennt.

Wo, wann, wie und durch wen Niki Lauda und Falco „richtige Freunde“ wurden, lässt sich heute nicht mehr so genau eruieren. Fakt ist, dass Niki Lauda zu Lebzeiten immer ein sehr guter Freund, und sicherlich auch in gewisser Weise ein „Mentor“ für Falco privat, als auch in Falcos Karriere war.

Fotos links/rechts:
Falcos Feier zum 30. Geburtstag im Cafe Hawelka

Foto Mitte/Titelfoto:
Lauda-Air-Weihnachtsfeier (18.12.1997)

Am wirtschaftlichen Höhepunkt der „Lauda Air“ in den 1990-iger Jahren beschloss das Firmen-Team regelmäßige „Clubbings“, einerseits für das eigene Personal, andererseits für die mit der Fluglinie verbundenen Geschäftspartner, durchzuführen. In jenen Jahren wurden die sogenannten „Clubbings“ in Österreich zum ersten Mal populär.

Federführend am Beginn dieses „Hypes“ war ein gewisser Hannes Jagerhofer, welcher als erster Clubbing-Veranstalter Österreichs solche „neuartigen Partys“ an den ungewöhnlichsten Orten (u.a. in den großen Flugzeughangars am Flughafen Wien) veranstaltete. Ab 1989 organisierte Jagerhofer im Auftrag von Firmen, wie eben z.B. Lauda-Air, auch Kunden- und Großveranstaltungen. In dieser Zeit fanden auch Niki Lauda und Hannes Jagerhofer zusammen, indem Niki Lauda Jagerhofers erster „Beachvolleyball-Titelsponsor“ wurde.

Niki Lauda und Hannes Jagerhofer © AP

Jagerhofer veranstaltete in weiterer Folge im Auftrag von Niki Lauda für die „Lauda Air“ diverse Clubbings, die bekanntesten fanden in den Wiener Sofiensälen statt.

Die zu diesem Zeitpunkt schon bestehende Freundschaft zwischen Niki Lauda und Falco führte zu einzelnen Falco-Auftritten bei den „Lauda Air“ Party-Clubbings, indem Niki Lauda Falco jeweils fragte, ob er bei den Events nicht ein paar seiner Songs darbieten könnte:

Falco bei seinem letzten Auftritt:
Weihnachtsfeier der Lauda-Air am 18.12.1997
in den Wiener Sofiensälen

 


Am 19. Februar 1997 beging Falco mit einem großen Fest in seiner Wahlheimat, der Dominikanischen Republik, seinen 40. Geburtstag. Die Geburtstagsfeier im „Hacienda Resort“ wurde – retrospektiv betrachtet – ein unvergessliches Ereignis:

Mehr als 250 Gäste feierten mit Falco und Niki Lauda, zu diesem Zeitpunkt bereits ein langjähriger und treuer Wegbegleiter Falcos.

Neben all den Stargästen und Feierlichkeiten durfte die Musik an diesem besonderen Abend nicht fehlen:

Mit seiner Liveband präsentierte Falco den versammelten Gästen einige seiner größten Hits und gab eine Vorschau auf das bevorstehende neue Album „Out of the Dark“, welches wenige Wochen nach seinem Tod veröffentlicht wurde. (Die posthum erschienene Platte entwickelte sich zu einem großen Erfolg und erreichte in Österreich sofort Platz 1 der Charts, Anm.)

Zum Höhepunkt der Party sangen Niki Lauda, Otto Retzer und Falco ein Beatles-Medley. Unmittelbar nach Überreichung der Geburtstagstorte(n) an Falco und Niki Lauda bewarfen beide den mit der Gitarre umgehängten, daneben stehenden Otto Retzer mit der cremigen Backware:
(siehe Video unten, ab Minute 06:00)


 

VIDEO
Falco 40. Geburtstag – 19.02.1997

 

Seine Mutter hatte ihrem Sohn ein besonderes Geschenk mitgebracht, eine Videocassette, auf der ihm Freunde, die nicht kommen konnten, Grüße und Wünsche übersandten. Zum Schluß ertönte der Song „It´s time to say goodbye“ von Sarah Brightman und Andrea Bocelli, den Falco genauso liebte wie seine Mutter.

Niemand der anwesenden Gäste hätte an seinem runden Geburtstag gedacht, dass Falco seinen 41. Jahrestag nicht mehr erleben wird.


Ö3-Radio-Interview Ausschnitt:
(65 Sekunden)

 


Nachdem Falco am 6. Februar 1998 mit 40 Jahren im Zuge eines tragischen Autounfalls in der Dominikanischen Republik seinen Verletzungen erlegen war, wurden seine sterblichen Überreste einige Tage später in einer Lauda Air Boeing 767 mit dem bezeichneten Taufnamen „James Dean“ nach Wien überführt.

Archiv-Foto: © airtoair.at – Dietmar Schreiber

Im Cockpit saß sein Freund Niki Lauda höchstpersönlich und flog Österreichs größten Popstar zurück in seine Heimat, wo der Jet in den späten Abendstunden auf dem Flughafen Wien-Schwechat landete. Der mit Falcos „Hermelin-Mantel“ bedeckte Sarg wurde unmittelbar vom Flughafen auf den Wiener Zentralfriedhof in die Aufbahrungshalle beim Tor 2 überstellt:

Fotos: © ORF (ZIB)

 

Am 14. Februar 1998 kamen zu Falcos Begräbnis weit über 4000 Fans, darunter auch viele Prominente, wie beispielsweise Niki Lauda:

Fotos: © ORF (ZIB)

 

Um seine bei einem frühen Formel 1 Unfall verbrannte Kopfhaut vor den Blicken der Öffentlichkeit zu schützen, trug Lauda bald ständig eine Kappe – zunächst verschiedene Modelle von Motorsportfirmen, später das berühmte „rote Kapperl“, lange Jahre gesponsert vom italienischen Milchkonzern „Parmalat“, über das Heiztechnikunternehmen „Viessmann“, den Technologiekonzern „Oerlikon“, bis schließlich zum Glücksspielkonzern „Novomatic“, dessen Vertrag noch bis 2020 dauern sollte.

Privat hat Lauda die Kappe nie getragen. Das „Kapperl“ kam nur bei öffentlichen Auftritten auf seinen Kopf. Da dann aber ohne jede Ausnahme.

Eine Ausnahme gab es aber doch: Als Niki Lauda an Falcos Grab trat, hat er aus Pietätsgründen demonstrativ sein berühmtes „Kapperl“ vom Kopf genommen und seinem Freund Hans Hölzel die letzte Ehre erwiesen:

Foto: © dpa


 

Niki Lauda hatte sich – nach dem tragischen Tod des Popstars FALCO – entschlossen, einem neu in den Dienst seiner Lauda-Air gestellten Flugzeug den Namen des österreichischen Ausnahmemusikers zu geben. Am 31. Juli 1998 stand schließlich der Festakt zur Taufe des neuen Flugzeuges auf dem Flughafen Graz-Thalerhof auf dem Programm.

Lauda pilotierte den jüngsten Flottenzuwachs persönlich nach Graz, wo gleich nach der Landung die Segnung des Flugzeuges stattfand. (Die Maschine wurde erst am 30.Juli 1998 nagelneu vom Boeing Werk in Seattle, WA (USA) nach Österreich überstellt.)

Archiv-Foto: © airtoair.at – Dietmar Schreiber

Die Taufe nahm anschließend Falcos Mutter, Maria Hölzel, vor. Den Abschluss des Tages bildete das Lauda Air-Clubbing im VIP-Zelt des Flughafens, das unter dem Motto „Lauda Tribute to FALCO“ stand.

An Bord von Wien nach Graz waren u.a. mit dabei:

DoRo-Hälfte Rudi Dolezal und Excalibur-Betreiber Ronny Seunig, beide enge Freunde von FALCO.
Weiters: Hannes Rauscher, Creativdirector der Lauda Air, welcher auch den Schriftzug des neuen FALCO-Fliegers kreierte:

Falco – OE-LNJ – Orient Princess © FALCO.NET

Falco – OE-LNJ – Inaugural Certficate vom 31.07.1998 © FALCO.NET


 

Niki Lauda hatte – als Spätfolgen seines damaligen Formel 1 Unfalls im Jahr 1976 – zwei Nierentransplantationen (die erste wurde 1997 von seinem Bruder Florian Lauda gespendet, die zweite 2005 von seiner damaligen Lebensgefährtin Birgit). Im Sommer 2018 musste er sich einer Lungentransplantation unterziehen, von der er sich schlussendlich nicht mehr erholen konnte.

Niki Lauda starb am 20. Mai 2019 in einer Klinik in Zürich, er wurde 70 Jahre alt.

Niki Lauda war in zweiter Ehe verheiratet und ist Vater von 5 Kindern (Lukas und Mathias, der seit 2002 ebenfalls im Autorennsport tätig ist, aus seiner ersten Ehe mit Marlene Lauda; Zwillinge mit seiner zweiten Frau Birgit und Sohn Christoph aus einer anderen Beziehung.)

Nikolaus „Niki“ Lauda zählt als dreifacher Weltmeister der Formel-1 (1975, 1977 und 1984) zu den erfolgreichsten Piloten des internationalen Motorsports – er wurde schon zu Lebzeiten zu einer wahren Formel-1-Legende. 2013 wurde ihm und seinem damaligen Formel 1 Rivalen James Hunt der Film „Rush – Alles für den Sieg“ gewidmet.

Die öffentliche Aufbahrung und Trauerzeremonie fand am 29. Mai 2019 im Wiener Stephansdom statt. Niki Lauda wurde im engsten Familienkreis auf dem Heiligenstädter Friedhof in Wien 19 im Familiengrab zur letzten Ruhe gebettet.

DANKE NIKI LAUDA !

 

Bericht: FALCO.NET


Quellen:

FALCO.NET

Austria-Forum

Kleine Zeitung

Hannes Jagerhofer / FB-Post

Motorsport Total

 

Archiv-Foto: © airtoair.at – Dietmar Schreiber