Falco Produzent Robert Ponger wurde 71 & The Story of „Der Kommissar“

Robert Ponger (* 19. Mai 1950 in Wien) ist österreichischer Musiker, Komponist und Musikproduzent.

Gemeinsam mit Herbert Novacek und Rudolf Staeger gründete Robert Ponger 1971 die Wiener Progressive-Rockband Acid. Neben seiner Tätigkeit als Keyboarder in mehreren Bands konzentrierte sich Ponger zunehmend auf Musikproduktion und gründete Anfang der 1980er Jahre das „Stereo West Studio“ in Manhartsbrunn, Niederösterreich.

Foto: WIENER (1990)

Ein früher Erfolg waren die Produktionen für den österreichischen Popstar Falco. Ponger produzierte etwa den Hit „Der Kommissar“ (1981), von der weltweit sieben Millionen Stück abgesetzt wurden, sowie Falcos erste beiden Alben „Einzelhaft“ (1982) und „Junge Roemer“ (1984). 1990 schloss er sich ein letztes Mal mit Falco zusammen, um das Album „Data de Groove“ zu produzieren, welches ein kommerzieller Flop wurde.

„Das Konzept der Platte [Junge Roemer] heißt „Falco und Robert Ponger“. Man kann durchaus sagen – um es zu vereinfachen, daß er 50% unseres Erfolgs ausmacht. Er ist der Komponist, er ist der wesentlich bessere Musiker als ich. Ich bin die Zielperson, die alle auf einen Punkt zu bringen hat. Was die musikalische Entwicklung des Robert angeht, müßte man ihn selber fragen. Ich glaube aber, daß er, was es angeht, elektronische Musik zu machen, sehr sehr weit vorne mit dabei ist.“ (FALCO, 1984)

Der erste Song, den das kongeniale Gespann Ponger/Falco gemeinsam produzierte, war „Ganz Wien“. Dieser erste kleinere, lokale Hit wurde dann auch in einer englischsprachigen Version unter dem Namen „That Scene (Ganz Wien)“ aufgenommen und als erste Falco-Single veröffentlicht.

Einzelhaft

Entstanden ist Falcos Erstlingswerk, die LP „Einzelhaft“ im Laufe der Jahre 1981 und 1982 in Zusammenarbeit mit Robert Ponger, wobei eine für diese Kooperation perfekt funktionierende Arbeitsteilung zustande kam: während sich Falco auf das Verfassen von Texten konzentrierte, war Ponger für die musikalische Seite der Songs zuständig.

Diese Aufgabenverteilung ist dabei durchaus interessant, hatte Falco doch zu Beginn seiner Karriere noch versucht, sowohl Texte als auch Musik für seine Songs selbst zu verfassen: so sind „Ganz Wien“ (obwohl sich hier hartnäckig Gerüchte halten, Falcos Bandkollege und Freund Hansi Lang hätte hier mitgeholfen) und „Helden Von Heute“ Songs, die Falco vollständig selbst geschrieben hat. Warum und wann es zu der Verschiebung kam, dass Falco nur noch die Texte und seine Produzenten die Musik schrieben, ist nicht bekannt.

Es kann jedoch durchaus glaubhaft angenommen werden, dass Falco früh erkannte, dass „Andere“ größeres Talent im Schreiben von Musik beziehungsweise Hits hatten und seine Stärke wohl eher im Formulieren von Texten zu diesen Musikstücken lag.

(Foto: Fandom.com)

Junge Roemer

Die Entstehungsgeschichte des Albums ist eine berüchtigte: Nachdem Falco 1982 mehr oder weniger ausschließlich damit zugebracht hatte, seinen Hit „Der Kommissar“ in aller Welt zu vermarkten und zu promoten, begannen schließlich 1983 die Arbeiten zum Folgealbum. Gekennzeichnet waren diese von einem erstmals einsetzenden Erfolgsdruck, unter den sich Falco gesetzt fühlte und einer damit einhergehenden Schreibblockade.

Falcos Angst davor als „One Hit Wonder“ in die Annalen der Popgeschichte einzugehen, sorgte dafür, dass die Einfachheit, Spontanität und Lockerheit des ersten Albums nicht wiederholt werden konnten. Teilweise arbeitete Falco einen Monat an einem Text, nur um ihn dann schlussendlich ungebraucht wegzuwerfen.

Die Arbeitsteilung, die bisher halbwegs gut funktioniert hatte (Robert Ponger schreibt die Musik, Falco verfasst dazu seine Texte), geriet aufgrund dieser Probleme schwer ins Stocken.

Zu diesen schwierigen Produktionsbedingungen kamen in weiterer Folge dann auch atmosphärische Störungen zwischen dem Künstler und seinem Produzenten, was schlussendlich zur Konsequenz hatte, dass Falcos zweite LP das letzte Album sein sollte, das Falco mit Robert Ponger in den 1980ern aufnehmen sollte.

FALCO und Robert Ponger anlässlich der Gold-Verleihung für das Album „Junge Roemer“ 1984
(Foto: Conny de Beauclair)

 

Data De Groove

Beim Album „Data De Groove“ kam eine Zusammenarbeit mit den Bollands nicht mehr in Frage (einerseits, weil die Holländer nach dem Eklat rund um die Fertigstellung des Albums Wiener Blut kein Interesse mehr hatten, andererseits weil auch Falco eine neuerliche Kooperation ablehnte:

„Die Zusammenarbeit mit den Bollands war, trotz Rock Me Amadeus, ein Fehler. Ein Charismatiker vergibt keine Auftragsarbeiten. Ich habe gemerkt, dass sich der Schmäh aus Wien nicht in holländisches High-Tech übersetzen lässt, es war eine falsche Richtung.“ (Falco)

Es musste also wieder ein neuer Partner gesucht werden. Während Falcos Manager, Horst Bork, einen international erfahrenen Mann engagieren wollte (es fielen Namen wie Giorgio Moroder, Harold Faltermeyer, Peter Wolf und auch Frank Farian), favorisierte Falco jemanden, mit dem er bereits zusammengearbeitet hatte und bei dem er das Gefühl hatte, das er die Essenz von Falco besser verstand als jeder andere: Robert Ponger, der Produzent seiner beiden ersten Alben „Einzelhaft“ und „Junge Roemer“:

„Ich als Szenist bin dort am besten, wo ich zuhause bin.“ (Falco)

Wenn man bedenkt, dass Falco in dieser Phase seiner Karriere einen Hit gebraucht hätte, um sowohl national als auch international weiterhin im Rennen zu bleiben, erscheint Ponger nicht unbedingt als erste Wahl: So hatte Ponger für Falco zwar stets qualitativ hochwertige Songs geschrieben, mit der Ausnahme von „Der Kommissar“ war aber keiner dieser Songs ein großer Erfolg geworden. Da aber auch Falcos Plattenfirma Teldec von diesem Vorschlag sehr angetan war, begannen Falco und Ponger im Herbst 1989 in Wien mit der Produktion neuer Nummern.

Falco war in die Entstehung dieses Albums weitaus stärker eingebunden als in die Produktion der Alben mit den Bollands, was natürlich daher rührt, dass er nun erstmals seit 1984 wieder seine Texte alleine (ohne Input seiner Songwriter) schreiben musste. In der Zusammenarbeit Falco-Ponger gab es eine klare Musik/Text-Aufgabentrennung.

Musikalisch stellt das Album eine sanfte Neuausrichtung des Falco-Sounds dar: nichts mehr ist vorhanden vom kommerziellen Bombast-Sound, den die Bollands vielen Songs gaben, aber auch der Ponger-Sound, der bei „Einzelhaft“ noch eine eher funkige beziehungsweise bei „Junge Roemer“ eine extrem hochglanzpolierte Richtung eingeschlagen hatte, veränderte sich hin zu einem sanfteren, organischeren Ton in der Gesamtausrichtung.

Es ist eine eigenartige Symbiose von Falcos (im Vergleich zu den Vorgängeralben) deutlich entspannterem Gesangsbeitrag und Musik, die von Ponger fast schon mehr wie Hintergrundgeräusche denn als echte, kompakte Songs umgesetzt wurde.

Es scheint, als hätten Falco und Ponger mit diesem Album versucht, die Marke Falco in einen neuen Kontext zu stellen, die Musik zu modernisieren, ein bisschen mehr Electro als Pop, mehr organischer Sound als High-Tech.

Markus Spiegel, FALCO und Robert Ponger bei der LP-Präsentation „Junge Römer“ im Wiener Hotel Imperial am 9.5.1984

 

Textauszüge: FALCO COMPENDIUM – Michael Rager

 


Robert Ponger produzierte bzw. wurden folgende Musiker in seinem „Stereo West Studio“ aufgenommen oder abgestimmt:

  • Falco
  • Drahdiwaberl
  • Bilgeri
  • Rainhard Fendrich
  • Papermoon
  • Edelweiss
  • Max
  • Biwi
  • KaptänNemo
  • Jul
  • Frank Bülow
  • Ballyho
  • Patrick Gammon
LINK: Discogs – „Stereo Studio West“

 

DER KOMMISSAR – Die Geburt eines Hits

(Foto: Falco Compendium)

FALCO.NET war auf der Spur nach der Wahrheit über die Entstehung von Falcos erstem kommerziell erfolgreichen Song „Der Kommissar“:

Widersprüchliche Aussagen diverser Protagonisten machen es schwer, die damalige Wahrheit herauszufinden, aber der geneigte Leser möge sich nun anhand der folgenden 4 Interviews bzw. Zitate seine eigene Meinung bilden:

Spur 1 – FALCO-COMPENDIUM:

Falcos erster großer Hit […] hat eine interessante Vorgeschichte: angeblich wurde der Song ursprünglich für Reinhold Bilgeri, einem anderen österreichischen Künstler, der 1981 einen kleineren internationalen Hit mit „Video Life“ hatte, geschrieben. Da Bilgeri aber mit dem Musikstil nichts anfangen konnte, spielte Robert Ponger den Song Falco vor. Diese Geschichte ist aber nicht wirklich glaubhaft, selbst Bilgeri hat dem in einem Interview widersprochen. Der Song soll musikalisch eine Verbindung von ursprünglich zwei Nummern gewesen sein – einer weicheren Melodie und einem härteren Rhythmuspart, eine durchaus plausiblere Theorie.

 

Spur 2 – Interview mit Falcos langjährigem Manager Horst Bork:

Was ist denn Ihres Wissens die genaue Beziehung zwischen Falcos „Kommissar“ und dem Rick-James-Hit „Super Freak“? Beide klingen bekanntermaßen ziemlich ähnlich. Wer hat da wen beeinflusst?

Bork: Ganz genau könnte das Robert Ponger erklären, der die Musik komponiert und produziert hat. Da sind einige Riffs und Licks enthalten, die sehr, sehr, sehr an Rick James erinnern. Man könnte großzügig sagen: Das ist Zufall. Ein strengerer Zeitgenosse würde sagen, die haben ein bisschen abgeschrieben. Die Ähnlichkeiten sind wirklich hörbar. Das war auch der Grund, „Der Kommissar“ für die B-Seite zu nehmen, dort würde es nicht so auffallen. Erst später, nach langen Diskussionen, haben wir gesagt, okay, wir machen „Der Kommissar“ als A-Seite.

Interessant ist ja, dass Rick James keine Sekunde zögerte, MC Hammer zu klagen wegen Ähnlichkeiten zwischen „Super Freak“ und „U Can’t Touch This“. Bei Falco hat er das offensichtlich durchgehen lassen…

Bork: Nein, die haben das nicht durchgehen lassen, sondern haben die Sache schon genau geprüft. Aber das ist ja auch eine Ermessensfrage, und wir waren vielleicht noch irgendwie im Limit. Es gibt da klare juristische Definitionen. Das Werk von Ponger war wohl noch im Dunstkreis der Möglichkeiten, sodass wir an einer Klage vorbeigekommen sind. Seien Sie sicher: Wenn sie die Chance gehabt hätten, die hätten bis zum Jüngsten Gericht geklagt.

Es ist auch zu lesen, dass Ponger „Der Kommissar“ ursprünglich für Reinhold Bilgeri komponiert und Falco dann einen Text geliefert habe…

Bork: Ich glaube, das ist gut erfunden. Der Ausgangspunkt war, dass Falco und Ponger das Stück gemeinsam entwickelt haben. Robert Ponger hat ein Playback gemacht – die Grundskizze des Songs – und hat draufgespielt, wo der Hans hätte singen können. Der Hans hat dann versucht, einen Text zu machen. Die Bilgeri-Geschichte halte ich für eine nette Fabel, das ist Quatsch.

 

Spur 3 – Reinhold Bilgeris Aussage vor Publikum
(FALCO.NET war damals LIVE dabei !) anlässlich der
Falco-Convention „A Tribute to Falco“ bei der Yppsiade 2017:

Reinhold Bilgeri (vocals) wurde nach dem Stage-Intro von Udo Huber interviewt, wobei nun – mit Bilgeri´s Worten – bestätigt wurde, dass der Song zu Falcos Welthit „Der Kommissar“ aus Robert Pongers Feder zunächst ihm – Bilgeri – von Plattenboss Markus Spiegel angeboten wurde. Bilgeri bemerkte hierzu, dass ja nur die Musik – ohne Text – vorlag und man damals den Erfolg nicht hätte abschätzen können. Er lehnte dankend ab, und Falco wurde mit dem Text zum Song betraut. Der Rest ist Musikgeschichte.

 

Spur 4 – Reinhold Bilgeri in einem Podcast vom 10.02.2021:

 


 

Berichte über Robert Ponger im damailgen „Rennbahn Express“:

Recherche: Amadea S. Linzer

(Rennbahn Express 10/1982)

(Rennbahn Express 10/1982)

(Rennbahn Express 01/1983)

(Rennbahn Express 01/1983)


BERICHT: Franz Weiss

QUELLEN:

FALCO-COMPENDIUM – inkl. Textauszüge von Michael Rager

Der Standard – „Feierabend“ Podcast mit Reinhold Bilgeri

Rennbahn Express Zeitungsausschnitte-Recherche: Amadea S. Linzer

Wikipedia