Artikel: Harald Andrä – Kunsthistoriker und Falco-Sammler

Harald Andrä, Kunsthistoriker: „Eine Stunde des Tages gehört Falco“

9. Februar 2017, 14:06

Das Falco-Fieber erfasste Harald Andrä im katholischen Jugendlager

Den Sommer des Jahres 1982 verbrachte ich zum Teil in einem katholischen Jugendlager. Dort haben einige Burschen immer dieses Lied gesummt. Ich kannte es nicht, kam aber schnell drauf, dass es „Der Kommissar“ von Falco war. Die Musik hat mich total ergriffen und nicht mehr losgelassen.

Zu Weihnachten im selben Jahr wünschte ich mir von meiner Mutter entweder die Kassette „La Montanara“ von Kurti Elsasser oder „Einzelhaft“ von Falco. Meine Mutter hat also die Weichen dafür gestellt, dass ich ein solcher Falco-Fan wurde, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Überhaupt hat sie ob meiner Passion so manche Entbehrung erfahren. Die Kassette hab ich drei Jahre lang jeden Tag gehört. Klar ist das grenzwertig, aber ich war voll im Falco-Fieber. Dann ging das Sammeln los. Es gab noch kein Internet, also konzentrierte ich mich auf Zeitungsausschnitte, Kassetten und Vinylplatten, obwohl ich mir damals gar keinen Plattenspieler leisten konnte.

Kann gut sein, dass Harald Andrä die vielleicht größte Falco-Sammlung der Welt besitzt.

Die Berichte stammen aus dem „Rennbahn-Express“, „Bravo“, „Pop Rocky“ – was man halt so kriegen konnte. Mittlerweile sind es 15 Ordner, dazu kommen über 1000 Tonträger. Allein von „Rock me Amadeus“ existieren 95 Pressungen aus aller Welt, sogar von den Philippinen. Hinzu kommen Biografien, Sekundärliteratur, DVDs, VHS-Kassetten, Poster, 48 Konzertkarten und sogar Goldene Schallplatten von Falco. Vier Ordner voll mit Chartbüchern gibt’s auch noch. Darin sind sogar die Charts in Israel oder Australien berücksichtigt.

Einige Objekte habe ich im vergangenen Jahr bei der Falco-Ausstellung im Wiener Mozarthaus gezeigt. Es ging in der Schau darum, den 30. Jahrestag zu feiern, an dem „Rock me Amadeus“ die Nummer eins in den US-Charts wurde. Was Mozart zu dem Hit sagen würde? Wahrscheinlich hätte er versucht, einen noch besseren zu schreiben. Als Konter sozusagen.

Persönlich kennengelernt habe ich Falco leider nie. Aber ich habe als Steirer zwei seiner Konzerte in Graz besucht. Leider hat es damals so gut wie keine Merchandisingartikel gegeben.

Friedhofsbesuche

Ich werde oft gefragt, ob ich der größte Falco-Sammler bin. Was soll ich darauf sagen, außer dass ich ein sehr großer Fan und Sammler bin. Ich würde aber unterschreiben, dass ich bis auf die Videogeschichten international von allen Sammelbereichen am meisten besitze.

Als Falco starb, war ich gerade beim Bundesheer. Ich habe die Nachricht während des Frühdienstes aus dem Radio erfahren. Natürlich war ich tief betroffen, bestürzt. Ich stellte den Antrag, fürs Begräbnis freizubekommen, was mir auch gestattet wurde. Und da stand ich dann als einer unter Tausenden. Mittlerweile besuche ich ihn auf dem Friedhof meist zu Allerheiligen, wenn es passt, auch an seinem Sterbetag und seinem Geburtstag. Sein 60er am 19. Februar steht ja kurz bevor. Nein, ich bringe ihm nichts mit. Ich bin eher stiller Besucher, halte Andacht.

Zu der Zeit, als Falco starb, also 1998, startete das Internet so richtig durch, wodurch ich meine Sammlung natürlich stark ausbauen konnte. Das öffnete ganz neue Türen. Freilich bleibt immer noch Luft nach oben. Was gibt es zum Beispiel in Indien über Falco? Oder in Kenia?

Wie viel Geld ich in die Sammlung gesteckt habe, möchte ich lieber nicht erzählen. Dafür kann ich sagen, wie viel Zeit ich mich pro Tag mit Falco beschäftige: eine Stunde mindestens. Ich denke, Sammler sind Menschen, die bei der Ausübung ihrer Tätigkeit eine gewisse innere Ruhe finden. Ach ja, und noch etwas: Mein absoluter Lieblingssong von Falco ist „No Answer (Hallo Deutschland)“ vom Album „Junge Römer“.“

(Michael Hausenblas, RONDO, 10.2.2017) – derstandard.at/2000052366447/Harald-Andrae-Kunsthistoriker-Eine-Stunde-des-Tages-gehoert-Falco

Bericht: Der Standard


29.03.2016

Falco-Sammler zeigt Raritäten

Vor 30 Jahren hat Falco mit „Rock Me Amadeus“ den ersten Platz der US-Charts erreicht. Zum Jubiläum gewährt Österreichs größter Falco-Fan, ein Wiener Kunsthistoriker, einen exklusiven Einblick in seine Sammlung.

Bis heute besucht der 44-jährige Kunsthistoriker Harald Andrä regelmäßig das Grab seines Jugendidols: „Auf den Friedhof gehe ich meistens zweimal im Jahr: zum Todestag von Falco und zu Allerheiligen oder Allerseelen.“ Seit über 30 Jahren sammelt Andrä alles, was mit Falco zu tun hat. Für die aktuelle Falco-Ausstellung im Mozarthaus steuerte Andrä einige der Ausstellungsstücke bei – mehr dazu in Falco-Sonderschau: Amadeus rockt Mozarthaus.

„Kurti Elsasser oder Falco“

Begonnen hat das Sammeln im Jugendlager: „Da haben alle Jungs den ,Kommissar‘ gesummt und ich kannte das Lied noch nicht. Zu Weihnachten 1982 hab ich den Wunsch an meine Eltern geschickt: Entweder Kurti Elsasser oder Falco mit ‚Einzelhaft‘ auf Musikkassette. Geworden ist es Letzterer und seitdem bin ich Fan.“

Andrä begeistert vor allem Falcos Musik, seine ersten drei Alben, aber auch seine zwiespältige Person: „Einerseits Falco als Kunstfigur und andererseits Falco als zerbrechlicher und sanftmütiger Mensch.“ Täglich beschäftigt sich Andrä etwa eine Stunde mit seinem Hobby. Dabei sucht er im Internet nach neuen Objekten für die Sammlung und hört Falcos Musik. Dem Kunsthistoriker fehlen noch einige Platten und CDs – bei den Printmedien „ist nach oben alles offen“.

Kein Ende der Sammellust

Ein Ende seiner Sammellust sei nicht abzusehen, so Andrä: „Die Musik begeistert mich nach wie vor – und auch im höheren Alter werde ich das sicher weiter verfolgen.“ Wie jeder Sammler ist er besonders glücklich mit den Raritäten, die er ergattert hat: Maxi-Singles, von denen es nur ganz wenige Exemplare gibt, goldene Schallplatten, Konzertkarten für Falcos Auftritte, die er bei Sammlerbörsen, Auktionen und über das Internet fand.

Getroffen hat Andrä den Künstler übrigens nie. Bei den Besuchen am Friedhof wird er jedoch sentimental: „Es macht mich noch immer traurig, als ob es gestern gewesen wäre. Man fühlt sich mit ihm speziell hier verbunden.“

Vor genau 30 Jahren war „Rock me Amadeus“ Nummer eins der US-Charts. Für den Wiener Kunsthistoriker Harald Andrä ist das ein Feiertag.

 

 

Bericht: ORF- Radio Wien