Falcos „JEANNY“ wird zum TV-Thriller – Nächster Falco-Film für Manuel Rubey

Seit 14. September laufen in Mödling die Dreharbeiten zum ORF-MDR-Eventthriller „Jeanny – Das fünfte Mädchen“ (Arbeitstitel) nach den Motiven von Falcos Skandal-Song. 1985 provozierte FALCO mit einem zugespitzten, zweideutigen Liedtext die deutschsprachige Popwelt und löste einen Skandal aus. Österreich, Deutschland und die Schweiz standen Kopf wegen des skandalträchtigen Textes. Das populäre Video zum Song von den „Torpedo Twins“ – Rudi Dolezal und Hannes Rossacher – tat sein Übriges dazu bei.

Der mehrdeutige Text beinhaltete zwar nicht explizit Gewalt, doch kamen Vorwürfe der Verharmlosung einer Vergewaltigung auf, sodass sich verschiedene Sender in Deutschland, darunter der NDR und der BR, einem Boykottaufruf durch Fraueninitiativen anschlossen. Trotzdem wurden das Lied und seine Fortsetzungen zu Hits: Allein in Deutschland hielt sich 1985 „Jeanny Part I“ 22 Wochen auf Platz Eins der Single-Charts, der zweite „Jeanny“-Song, „Coming Home“, blieb 1986 für 17 Wochen an der Spitze.

Dieser mehrdeutige Interpretationsspielraum inspirierte die Drehbuchautoren Andreas Karlström (geb. 1973, u. a. „Helen Dorn“, „Der Kommissar und das Meer“) und Thorsten
Wettcke (geb. 1974, u. a. „Tatort Münster“, „Polizeiruf 110“) zum Thriller, der aktuell gedreht wird. Regie führt bei dieser Produktion, von Rowboat Film- und Fernsehproduktion GmbH mit Graf Film, Andreas Kopriva. Für die Redaktion zeichnen Sabine Weber (ORF) und Franka Bauer (MDR) verantwortlich. Die Gesamtleitung haben Katharina Schenk (ORF) und Jana Brandt (MDR). Produzenten sind Sam Davis und Klaus Graf.

Manuel Rubey (41), der bereits als „Falco“ im Film „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ auf der Kino-Leinwand 2008 reüssierte, ist ebenso in einer Hauptrolle zu sehen wie Theresa Riess.
Ebenfalls im Cast ist Patricia Aulitzky (41), die im „Falco“-Film als dessen Freundin zu sehen war. Martin Brambach, Steffen Schroeder, Martin Feifel, Eva Herzig, Johann Nikolussi und Laura Bilgeri bilden ein österreichisch-deutsches Ensemble vor der Kamera.

Für ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner ist es „eine Geschichte aus Österreich für Österreich. Ein Stoff mit Tiefgang, so aktuell wie damals, als der polarisierende Song veröffentlicht wurde.“

„Falco-Songs bis heute lebendig“

Über die thematische Auseinandersetzung mit Falcos Titel sagt MDR-Fernsehfilmchefin Jana Brandt: „Die Songs von Falco haben auch die Menschen in Mitteldeutschland schon in den 1980er Jahren stark berührt und sind bis heute lebendig. Wir freuen uns daher sehr, dass wir unser spannendes Projekt, welches nicht zuletzt von diesen Songs inspiriert wurde, nun auch durch Falcos Songs begleiten lassen können.“

Gedreht wird noch bis zum 16. Oktober, wann „Jeanny – Das fünfte Mädchen“ ausgestrahlt werden soll, ist noch nicht bekannt.

Der Inhalt

Seit 13 Jahren verschwinden in Mödling immer wieder junge Frauen. In diesem Umfeld aus Angst und Misstrauen lernt die 19-jährige Schülerin Jeanny (Theresa Riess), die noch nicht so richtig ihren Platz in ihrer Familie und der Gesellschaft gefunden hat, den undurchschaubaren Steuerberater Johannes (Manuel Rubey) kennen. Während sie immer tiefer in den Strudel ihrer Gefühle gezogen wird, spitzt sich das Klima in Mödling weiter zu. Um ihre Töchter zu schützen, organisieren sich die Einwohner in einer Bürgerwehr. Jeanny wird zunehmend verunsichert. Kann sie Johannes wirklich vertrauen?


Eventthriller „Jeanny – Das fünfte Mädchen“ nach Falcos Skandal-Song mit Manuel Rubey und Theresa Riess
© MDR/Anjeza Gikopano


Theresa Riess ist „Jeanny“

Theresa Riess über ihre Rolle als titelgebende Jeanny: „Ich spiele ein 19-jähriges, sehr unbeschwertes Mädchen, eine junge Frau, die gerade vor ihrer Matura steht – und sich Hals über Kopf in einen etwas älteren, sehr, sehr mysteriösen Mann verliebt.“ Und Riess über die Dreharbeiten: „Die Stimmung am Set ist gut, ich freue mich sehr, mit einem so wunderbaren Team zusammenzuarbeiten, und es macht mir besonders große Freude, mit Manuel Rubey zu spielen.“

Manuel Rubey: „Eine sehr gefährliche andere Seite“

Manuel Rubey steht in der Rolle des undurchschaubaren Steuerberaters Johannes vor der Kamera: „Ich spiele einen Steuerberater mit Kanzlei in Mödling und guten Kontakten. Rein äußerlich eine elegante Figur, die im Leben steht, ein Mann mit Geschmack. Auf den zweiten Blick sind da aber ganz viel Dunkelheit, Schwere und Störungen, die wir im Laufe des Films auch in Form von Rückblicken in die Kindheit erklärt bekommen. Und es stellt sich heraus, dass es neben dieser bürgerlichen Existenz noch eine sehr gefährliche andere Seite gibt. Es verschwinden Mädchen, junge Frauen, er ist im Kreis der Verdächtigen – und die Indizien verhärten sich, dass er damit etwas zu tun haben könnte.“ Und Rubey weiter: „Ich habe mir mit der letzten Klappe von ‚Falco – Verdammt wir leben noch!‘ geschworen, dass ich nie wieder Falco mache, und habe das bis heute durchgehalten. Falco war eine Rolle, aber nicht meine Lebensrolle. Und auch in diesem Film spiele ich nicht Falco. Die Drehbuchautoren wurden von dem Jeanny-Fall und dem Song ,Jeanny‘ und – wie ich finde – damit zu seiner sehr spannenden Geschichte inspiriert.“

Rubey abschließend zu den aktuellen Dreharbeiten: „Die Stimmung am Set ist trotz Corona glücklicherweise sehr gut, und wir werden medizinisch sehr gut betreut. Es ist das allerwichtigste in diesen Zeiten, überhaupt arbeiten zu können. Ich bin da sehr demütig und freue mich über jeden Drehtag, der stattfinden kann. Es ist eigentlich wie ein geschützter Raum, und insofern habe ich auch immer das Gefühl, dass wir an einen sehr sicheren Ort gehen.“

Regisseur Andreas Kopriva: „Österreichische Besetzung, österreichisches Umfeld und österreichischer Blick“

Was die Produktion zu einer österreichischen macht? „Den österreichischen Charme und Thrill hat der Film ,Jeanny – Das fünfte Mädchen‘ mit Sicherheit durch die vorwiegend österreichische, spannende Besetzung und Färbung, das Umfeld, in dem wir drehen, und natürlich lege ich auch großen Wert auf den so genannten österreichischen Blick – also immer auch etwas Humor im mitunter Gruseligen und Spannenden mitzuerzählen“, so Regisseur Andreas Kopriva. Und wie auch Manuel Rubey betont Kopriva, dass es sich nicht um eine Verfilmung von Falcos „Jeanny“-Song handelt: „Der Song diente den beiden Autoren als Inspiration, diese Geschichte zu schreiben. Das Lied kommt zwar schon vor, aber unser Film ist eine ganz andere und eigenständige Geschichte.“

Über die Verortung in Mödling: „Wir haben inhaltlich eine Stadt gesucht, die einerseits durch ihre Größe eine gewisse Anonymität für den Mörder erlaubt, aber umgekehrt auch nicht zu groß sein darf, um für unsere Heldin Jeanny den Traum vom Fortgehen in die Großstadt glaubhaft erzählen zu können. Da war dann letztendlich Mödling in Niederösterreich, wo der Film auch fast ausschließlich gedreht wird, für uns geradezu perfekt.“ Kopriva abschließend über die Dreharbeiten in Corona-Zeiten: „Insgesamt sind die Drehbedingungen natürlich deutlich erschwert, was den Ablauf nicht immer erleichtert. Aber da alle wissen, dass ein positiver Corona-Fall den Dreh sofort unterbrechen könnte, gehen alle sehr sorgsam und verantwortungsvoll mit dieser Situation um. Denn letztendlich sind wir alle sehr froh, dass wir arbeiten können und dürfen – somit ist die Stimmung am Set trotzdem eine sehr gute.“

Damit wird, wie von FALCO.NET Exklusiv schon am 11. September 2019 berichtet, ein erstes „Miniserien“-Projekt zu diesem Thema jetzt anscheinend zu einem Einzelfilm.
(Siehe: FALCO.NET Artikel vom 11.09.2019:
https://falco.net/presse/artikel-falcos-hit-jeanny-wird-thriller-reihe/  )

Quellen:

APA/OTS

KURIER

SALZBURG24.AT

DER STANDARD

GALA

TAG24.DE

YAHOO Nachrichten Deutschland

 


Erstveröffentlichung dieses Artikels am 26.09.2020